Rügen von A bis Z

Störtebecker, Klaus

 
Der legendäre Volksheld und Seeräuber ist die bekannteste Gestalt der Vitalienbrüder aus dem 14. Jahrhundert. Die Leibeigenen auf Rügen und an der gesamten Ostseeküste sahen in Klaus Störtebecker, dem gebürtigen Rüganer, einen mutigen Mann, der sich von den Fesseln gelöst und seinem brutalen Gutsbesitzer eine schlagkräftige Lehre erteilt hatte, sich den Likkedeelern (Gleichteilern) anschloss und für eine gerechte Verteilung der erbeuteten Habe eintrat. Der Bauer und Fischer erfande viele Geschichten um den Seeräuber, der den Reichen Geld und Gut nahm, um es den Armen zu geben. 1401, nachdem das Schiff Klaus Störtebecker durch die Hamburger versenkt worden war, wurden er und sein Freund Gödecke Michael hingerichtet.
Der Volksmund erzählt:
Klaus Störtebecker soll als Sohn eines Bauern in Ruschvitz auf Rügen geboren sein. Als Knecht glaubte er sich eines Tages unbeobachtet und nahm einen tiefen Schluck aus der Bierkanne seines Herrn, der ihn dabei erwischte. Der Gutsbesitzer ließ Klaus, der über große Kräfte verfügte, fesseln und körperlich strafen. Als man ihn nach der Prügel losband, riss er die Ketten der Handschellen auseinander und schlug seinen Peiniger nieder. Dann lief er zum Strand und ruderte in einem Fischerboot in Richtung Arkona. Kurz vor dem Kap traf er eine Kogge, die im Windschatten lag. Gödecke Michael, der Schiffshauptmann und Anführer der Seeräuber, gab ihm ein Hufeisen und forderte ihn auf, seine Kraft zu beweisen. Störtebecker bog es mühelos auseinander. Eine Zinnschüssel drehte er zu einer Rolle zusammen. Zum Schluss leerte er einen riesigen Humpen, dem noch mehrere gefolgt sein sollen. Nach dieser Kraftprobe wurde er in die Gemeinschaft der Seeräuber aufgenommen. Mit Gödecke Michael zusammen wurde er zu einem der meist gefürchteten Seeräuber seiner Zeit. Die weit zerklüftete Insel Rügen gab Störtebecker und seinen Leuten die besten Verstecke. Ihr Lieblingsaufenthalt waren jedoch die Schluchten und Höhlen der Stubnitz.
Störtebeckers Schlupfwinkel in der Stubnitz:
Auf Stubbenkammer, in der Nähe des Königsstuhls, sollen die Seeräuber unermessliche Schätze versteckt gehalten haben. In eine dieser Höhlen hatte Störtebecker einst eine schöne Jungfrau entführt. Sie erhielt den Auftrag, die Reichtümer zu bewachen und nicht eher die Höhle zu verlassen, als bis er zurückgekehrt sei. Unmittelbar darauf wurde er jedoch hingerichtet, und die Jungfrau sitzt heute noch bei den Schätzen. Einmal im Jahr erscheint um die Mitternachtsstunde das gespenstische Schiff am Strand, um sie Schattenbilder der ehemaligen Seeräuber steigen in die Höhle hinab, um nach dem gehorteten Raub zu sehen. Auch in der Nähe der Golchaquelle soll sich eine Höhle der Seeräuber befunden haben. Das Winterlager soll in der Herthaburg gewesen sein. In diese Schhlupfwinkel konnten sie mit ihren Schiffen direkt hineinfahren. Zur Erklärung wird angeführt, dass das Wasser der Ostsee früher viel höher gestanden hat.
Störtebeckers Freundschaft mit den Armen:
Störtebecker und Gödecke Michael richteten ihre Angriffe am Ende des 14. Jahrhunderts besonders gegen reiche Leute. Die Armen unterstützten sie. Eines Tages ging Störtebecker durch ein rügensches Dorf. Vor der Haustür sah er eine Frau sitzen, die eine Hose flicken wollte. Es fehlte ihr aber ein Stück Stoff. Störtebecker warf ihr ein Tuch zu, an dessen Rückseite blanke Goldstücke klebten.
Der goldene Mast:
In Hagen, einem kleinen Ort in der Stubnitz, traf Störtebecker eines Tages einen alten Mann, der die Miete für seinen Katen nicht bezahlen konnte und ihm sein Leid klagte. Klaus forderte ihn auf, aus einer Uferschlucht beim Königsstuhl den Mast eines hohen Schoners nach Hause zu holen. Mühsam zersägten der Alte und seine Frau das spröde Holz. Plötzlich brachen einige Sägezähne ab, weil sie mit Metall in Berührung gekommen waren. Wer beschreibt das Erstaunen der armen Leute, als sie sahen, dass der Mast prall mit Dukaten gefüllt war! Nun hatten sie genug zu leben bis an das Ende ihrer Tage.
Störtebeckers Gefangennahme und Hinrichtung:
Eines Tages lagen die beiden Seeräuber mit ihrem Schiff in der Nähe von Hamburg. Nur ein kleines Fischerboot hielt sich in einiger Entfernung auf. die Seeräuber beachteten es nicht. Als sie in der Mitternachtszeit ihren Schlaf hielten, kam der Fischer herbei und goss die Angeln des Steuerruders mit Blei aus, so dass es unbeweglich wurde. Dann segelte er nach Hamburg und führte einige Schiffe gegen die Seeräuber. Da diese das Steuer nicht mehr in der Gewalt hatten, mussten sie sich gefangen geben. Klaus Störtebecker und Gödecke Michael suchten ihr Leben loszukaufen und boten dem Rat eine goldene Kette, die dreimal um Hamburg reichte. Die Richter ließen sich auf diese Versprechung nicht ein. Über den Tod Störtebeckers wird erzählt, dass der kühne und starke Mann, als ihm bereits der Kopf abgeschlagen war, noch eine ziemliche Strecke gelaufen sei, bis ihm der Gehilfe des Scharfrichters einen Richtblock vor die Füße warf, über den der enthauptete Seeräuber zu Fall kam.
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